Sind wir eigentlich in einer Plastikkrise?

Kunststoff ist ein Material, das der Menschheit im letzten Jahrhundert viele Innovationen, medizinische Sicherheit, Lebensmittelsicherheit und Bequemlichkeit gebracht hat. Es findet unzählige Anwendungen in unser modernen Welt. Doch mittlerweile ist es die Quelle eines der sichtbarsten und größten Umweltprobleme unserer Zeit.

Was ist eigentlich das Problem?

Bildquelle:
Bildquelle: wwf-junior.de, Shutterstock

Kunststoffe sind teil unseres Alltags und sind aus vielen Bereichen unseres Lebens nicht mehr wegzudenken. Ob in unserer Kleidung, der Innenausstattung des Autos, der Müsliverpackung im Supermarkt, der Einweg-Spritze im Impfzentrum oder der PET-Flasche im Getränkeautomaten. Plastik ist ein ungemein vielseitiges und nützliches Material. Allerdings hat es auch eine bzw. mehrere Kehrseiten.

Einfluss auf die Ökosysteme und den Menschen

Leider wird immernoch ca. ein Drittel des als Müll anfallenden Plastiks unsachgemäß entsorgt und landet in der Umwelt. Im Jahr 2016 waren das weltweit ca. 100 Millionen Tonnen (WWF, 2021). Es gibt mittlerweile unzählige, dokumentierte Ereignisse, die die Auswirkungen von Plastik auf unsere Ökosysteme und auf die Tier- und Pflanzenwelt zeigen. Die ersten wissenschaftlichen Publikationen, die dem Peer-Review von Fachkollegen unterzogen wurden und somit in der Wissenschaft anerkannt sind, gab es schon in den 1980er Jahren.

Plastikmüll gelangt auf verschiedenen Wegen, z.B. durch schlechtes oder fehlendes Abfall- und Recyclingmanagement und mit ungereinigten Abwässern aus Städten und der Industrie (Meeresatlas, 2017) in unsere Böden und Gewässer und schließlich in die Meere.

Dort gelangt es in verschiedenen Formen unter anderem in die Nahrungskette der Ökosysteme und findet den Weg in die Mägen und ins Gewebe von Zooplankton, Muscheln, Fischen und Säugetieren wie zum Beispiel Seelöwen und Wale.

Ein Eisvogel (
Ein Eisvogel (Alcedo atthis) hat einen Golfpin aus Plastik (HDPE) erbeutet. Foto (unverändert) von Andy Morffew unter Creative Commons 2.0)

Dies kann tödliche Folgen für die Tiere haben. Mehr dazu könnt ihr im Artikel Einfluss von Plastik auf die Tier und Pflanzenwelt auf unserer Webseite nachlesen. Außerdem sind Plastikteilchen im Meer Magneten für Schadstoffe. An der verhältnismäßig großen Oberfläche von Mikroplastik können sich zum Beispiel Ölrückstände oder auch Antibiotika ansammeln.

Wenn Menschen dann Fisch oder Meerestiere essen, können auf diese Weise Schadstoffe und Mikroplastik vom Menschen aufgenommen werden und sich auch in unseren Geweben anreichern.

Einfluss auf die Gesundheit

Eine Australische Studie hat herausgefunden, dass ein Mensch im Durchschnitt durch den Verzehr von üblichen Nahrungsmitteln und Getränken ca. 2000 Mikroplastikteile pro Woche zu sich nimmt. Das entspricht ca. 5 g pro Woche. Die Teilchen werden zum Beispiel über Leitungswasser und Flaschenwasser, durch den Verzehr von Schalentieren und auch über die Luft aufgenommen.

Da Kunststoffe unter anderem Schwermetalle, persistente organische Stoffe, Karzinogene und hormonell wirksame Substanzen wie Weichmacher enthalten können, ist ein Kontakt und Aufnahme davon mit möglichen gesundheitlichen Folgen verbunden. Diese können von der Beeinträchtigung von Nieren-, Nerven-, Kreislauf- und Reproduktionssystem, Magen-Darm-Trakt und Atemwegen bis zu Krebs, Diabetes und Entwicklungsstörungen reichen.

Ein weiteres Problem von Kunststoffmüll stellt die Entsorgung dar. In Deutschland werden mehr als 50 % der Plastikprodukte zur Entsorgung verbrannt. Bei den verschiedenen Arten der Verbrennung entstehen Treibhausgase und eine Vielzahl an Giftstoffen, die in der Umwelt kaum abbaubar sind. Im Plastikatlas wird das Problem an folgendem Beispiel verdeutlicht:

“In Bleicherode, einem Dorf in Thüringen, werden die Rückstände aus den Filtern der deutschen Müllverbrennung in Bergwerken gelagert: Dioxine, Blei und Furane, in Salzlösung verflüssigt.

350 000 Tonnen Staub und Asche kommen jedes Jahr in Bleicherode an – in 15 Jahren ist das Endlager voll.” (Plastikatlas, 2019)

Einfluss auf das Klima

Die Förderung und Produktion von Plastik erzeugt eine beachtliche Menge an Treibhausgas Emissionen und wirkt sich somit negativ auf das globale Klima aus. Es wird geschätzt, dass wenn die Plastikproduktion ungebremst weiter geht, die Herstellung von Kunststoffen bis 2050 rund 56 Gigatonnen CO2 Emissionen erzeugen wird. Dies entspricht zwischen 10 und 13 % des verbleibenden CO2-Budgets für das 1,5°C Ziel (Plastikatlas, 2019).

Bereit für ein paar verrückte Fakten?

  • Pro Minute fluten ca. 15.000 kg Plastik in unsere Ozeane. Den größten Teil davon machen mit 14 % Plastiktüten aus (WWF, 2021).
  • Alleine in Deutschland werden immer noch ca. 10.000 Plastiktüten pro Minute verbraucht, was sich zu 5,3 Milliarden Tüten pro Jahr sümmiert.
  • Für die Herstellung dieser Tüten werden 260 Millionen Liter Erdöl benötigt und im Schnitt wird so eine Plastiktüte nur 25 Minuten verwendet bevor sie im Müll landet. 1,3 kg Plastikmüll pro Kopf entstehen so im Jahr in Deutschland (WWF Detuschland, 2021 (Instagram)).
  • Schätzungen nach treiben 268.000 Tonnen Plastik an der Oberfläche der Meere, das entspricht 5 Billionen Plastikteilchen. Mehr als ein Drittel davon befindet sich im Nordpazifik. Jedoch gehen Wissenschaftler davon aus, dass ein Großteil des Plastikmülls in die Tiefen der Meere hinabsinkt. Deshalb ist es schwer zu sagen wie viel Plastikmüll sich insgesamt im Meer befindet (BMBF, 2020).