Wie hängen Plastik und die Klimakrise zusammen?

Kunststoff wird aus fossilen Brennstoffen gemacht. Das kann ja gar nicht gut für das Klima sein, oder?

Wie viel Plastik produziert die Welt eigentlich?

Weltweit werden derzeit jährlich 407 Millionen Tonnen Kunstoff produziert. Dieser Kunststoff wird aus Kohlenstoffverbindungen erzeugt, welche zu 99% aus Erdöl, Kohle und Erdgas gewonnen werden (Greenpeace, 2021). Die Herstellung von Kunststoff verbraucht ca. 8% der Erdölprodukte weltweit.

Die Menge an produziertem Plastik ist im letzten Jahrhundert stetig angestiegen. Im Jahre 1950 wurden nur ca. 2 Millionen Tonnen hergestellt. Doch bis heute ist die Produktion von neuem Plastik um ein 200-faches angestiegen. Im Zeitraum von 1950 bis 2015 wurden insgesamt 7,8 Milliarden Tonnen Kunsstoff hergestellt. Hochgerechnet auf die gesamte Weltbevölkerung sind das mehr als 1 Tonne für jede Person, die heute auf der Erde wohnt.

Die globale Kunststoffproduktion der letzten 65 Jahre. Es geht steil bergauf. Grafik (unverändert) von
Die globale Kunststoffproduktion der letzten 65 Jahre. Es geht steil bergauf. Grafik (unverändert) von Wikimedia Commons unter Creative Commons 4.0

Insgesamt wurden mittlerweile 10,1 Milliarden Tonnen Kunststoff produziert. Das ist 2,5 mal so viel wie das Gewicht aller Menschen und Tiere die sich auf der Welt befinden. Satte 7,9 Milliarden Tonnen davon sind Müll. 74% des Plastikmülls befindet sich auf den Mülldeponien dieser Welt, während 15% davon verbrannt wurden und nur 11% recycelt wurden. 3,1 Milliarden Tonnen Plastik werden aktuell genutzt. Das schließt Rezyklate mit ein (Pack aus! Plastik, Müll und Ich, 2021).

In Deutschland wurden 2019 12,3 Millionen Tonnen Plastik neu produziert. China führt weltweit die Plastikproduktion an. Satte 32% der globalen Plastikproduktion läuft dort ab. Pro Monat werden durchschnittlich sechs bis acht Millionen Tonnen an Plastikprodukten neu hergestellt (Statista.com, 2022). Das entspricht dem Gewicht von circa einer Millionen ausgewachsenen, männlichen Afrikanischen Elephantenbullen.

Doch wie viel Plastikmüll fällt am Ende bei uns in Deutschland an?

Grundsätzlich wird unterschieden, ob Abfälle in der Industrie anfallen oder bei privaten und gewerblichen Endverbrauchern.

Im Jahre 2019 sind bei privaten und gewerblichen Endverbrauchern mit 5,4 Millionen Tonnen über 85% der gesamten Kunststoffabfälle in Deutschland entstanden. Die Industrie hat mit knapp einer Millionen Tonnen ca. 15% zu verantworten (nabu.de, 2022).

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Quelle Bild: nabu.de, 2022

Eine gute Übersicht mit noch ein paar mehr Zahlen und Gründen für die ansteigenden Trends in den Verpackungsabfällen findet ihr beim Nabu unter diesem Link:

Plastik und die Klimakrise

Die fossilien Ressourcen aus denen Kunststoff gewonnen wird, müssen zunächst erschlossen und gefördert werden, was weltweit Landschaften zerstören kann und chemische Gefahrstoffe in die Umwelt ausstößt (Greenpeace, 2021). Umweltkatastrophen wie die Ölpest im Golf von Mexiko 2010, als es zu einem Blowout auf der Deepwater Horizon Bohrinsel kam, sind keine Seltenheit und haben massive negative Auswirkungen auf Ökosysteme. Die Öl/Kohle/Gas-Industrie bietet zwar lokal einige Arbeitsplätze, jedoch verursachen Unfälle auf Bohr- und Förderplattformen immer wieder auch wirtschaftliche und soziale Einschränkungen und Schwierigkeiten für Menschen vor Ort in Küstenregionen z.B. Fischereiverbote, eingeschränkter Tourismus, vergiftete Meerestiere, verschmutzte Strände etc..

Weiterhin ist die Produktion von neuem Kunststoff, die damit beginnt, dass Rohöl in einer Raffinerie "gecrackt" also aufgespalten wird, sehr energieintensiv. Die Energie dafür wird meistens durch das Verbrennen fossiler Brennstoffe gewonnen, was die Klimaerwärmung durch den Ausstoss von Kohlenstoffdioxid weiter vorantreibt.

Der Wandel zur Kreislaufwirtschaft ist neben dem Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas sowie aus der industriellen Landwirtschaft ein wichtiger Pfeiler bei der Erreichung des Ziels, die Erderwärmung auf 1,5-Grad Celsius zu begrenzen. Insbesondere bei der Plastikproduktion verfehlen wir gerade, aber eklatant den richtigen Umgang mit dem langlebigen Rohstoff, der sich zigmal recyceln lässt. Die Plastikproduktion verursachte allein im Jahr 2015 ca. 1,8 Milliarden Tonnen CO₂-Äquivalente (CO2e). Das entspricht ca. 5 % des weltweiten Ausstoßes an Treibhausgasen, dem Doppelten des gesamten globalen Flugverkehrs oder dem 2,5-fachen des gesamtdeutschen Ausstoßes. Wäre Plastik ein Land, es wäre nach China, den USA, Indien und Russland der fünftgrößte Verursacher von CO2 (Wetter.de, 2021).

Klimaaktivist:innen demonstrieren dafür, dass die Politik mehr gegen den Klimawandel unternimmt. Foto (unverändert) von

Während bis zum Jahr 2050 mit einem 4-fachen Anstieg der jährlichen Produktionsmenge an Neuplastik zu rechnen ist, steigen auch die Treibhausgasemissionen weiter an. Das sorgt dafür, dass die Plastikproduktion ca. 17% der nötigen, weltweiten CO₂-Einsparungen zu Nichte machen könnte, die für die Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels erforderlich sind. Damit könnte die Plastikindustrie schon bald zu den größten CO₂-Emittenten weltweit zählen.

Verlorene Fracht

Außerdem kommt es beim Transport von Kunststoff-Pellets, also dem kleinen Plastikgranulat, welches die Rohmasse für die Produktion von der Vielzahl an industriell hergestellten Produkten bildet, immer wieder zu Frachterunglücken auf den Weltmeeren. Die kleinen Kunststoff-Drops finden so den Weg direkt in die marinen und küstennahe Ökosysteme und wirken sich negativ auf die Meeresbewohner und die Menschen, die zum Beispiel vom Fischfang abhängig sind, aus. Zuletzt ging ein solches Ereignis im Mai 2021 durch die Medien, als ein Frachter aus Singapur vor der Küste von Sri Lanka sank und gefährliche Chemikalien und Kunststoffgranulat ins Meer gelangte.

Microplastik, welches an einem Strand in Oregon, USA, gefunden wurde. Foto (unverändert) von
Microplastik, welches an einem Strand in Oregon, USA, gefunden wurde. Foto (unverändert) von Oregon State University unter Creative Commons 2.0 .